Woche 2 und die ersten 244km liegen hinter uns! Von Julian sind wir 5 Tage lang bis zum Pacific Valley Cafe unterwegs. Von hier geht es per Hitchhike in das idyllische Bergdorf Idyllwild. Der Name ist Programm, denn es ist wirklich sehr idyllisch mit urigen und schrulligen Laeden, Restaurants, seinem Dorfplatz mit riesigen Pinien und Baerenfiguren. Und das alles umgeben von den San Jancinto Mountains. Wir legen hier 2 Naechte Pause ein. Der Weg hierhin ist ein Hoch und Tief.
Von Julian bekommen wir eine Fahrt mit dem Trail Angel Rebecca. Sie setzt uns gegen 17 Uhr an der Bruecke Scissors Crossing ab und wir wandern in der beginnenden Abendkuehle und bei immer schoenerem Abendlicht bergauf. Der Aufstieg zieht sich ueber zwei Tage ohne Wasser, so dass wir Teil 1 am Abend und Teil 2 in der Morgenkuehle hinter uns bringen wollen. Ich drehe meine 90er Playlist auf und cruise den Berg hinauf. Es macht richtig Spass. Die Pflanzenwelt veraendert sich etwas. Als waere der Highway eine Grenze. Wir treffen auf turmartige Kakteen mit einem Durchmesser bis zu 40cm und lange Staengel-Kakteen mit roten Blueten. Richtig schoen! Als es langsam dunkel wird, gehen Manon, Jason und ich zusammen. Unser erster Nachthike. So richtig gefaellt mit das Nachtwandern nicht. Unsere Stirnlampen generieren komischen Schatten. Stoecke werden zu Schlangen. Ich sehe nicht richtig, wenn sich der Weg neigt und stolpere nur so vor mich hin. Zu allem Ueberfluss attakieren mich zahlreiche Insekten. Ich versuche sie zu verscheuchen und hoere Jason hinter mir lachen. Sieht wohl komisch aus, wie ich wedelnd vor mich hinstolpere und hinfluche. Einige Tage spaeter erhalte ich fuer diesen Moment aber meinen Trailnamen: Disco Moth – Disco Motte. Ich mag den Namen und nehme ihn an. Von nun an heisse ich auf dem Trail also Disco Moth oder DM oder D-Moth. Als wir den verabredeten Zeltplatz endlich erreichen ist es schon 21 Uhr. Wir bauen schnell unser Zelt auf und kriechen in die Schlafsaecke. Schliesslich geht es am naechsten Morgen wieder 5:00 Uhr los, um nicht in der Hitze zu wandern.
Die Morgenwanderung geht gut voran. Es ist schoen kuhl und nur 12km bis zu einer Wasserquelle. Es handelt sich dabei um einen Watercache. Freiwillige bringen regelmaessig Wasser fuer die Wanderer zu dieser Stelle. Ohne die Hilfe dieser Leute waeren wir echt aufgeschmissen! Diese Gemeinschaft rund um den PCT beeindruckt mich immer wieder. Wir fuellen unserer Flaschen und wandern weiter. Bis zu unserem heutigen Schlafplatz ist es nicht sehr weit. Nach weiteren 10km erreichen wir eine Zeltstelle mit Quellwasser und schoenen schattigen Zeltplaetzen. Wir sind so zeitig da, dass wir Namenszeremonien durchfuehren. Jerek ist nun offiziell Eduardo Bottlehand (er traegt immer eine Flasche), Honza wird zu Temporary Husband (weil er nie richtig zuhoert), Max hoert nun auf H-Idea (weil er seine besten Ideen im Rausch bekommt) und Manon ist DooDoo (wegen ihrer Kuscheldecke), Sofie wird zu Lady Clumsy (weil sie immer stolpert) und Daisy nimmt ihren Namen Apollo an (grosser Schritt fuer sie, kleiner Schritt auf dem Trail? – muss ich nochmal nachfragen). Nach dem Essen springen Husband und H-Idea in den Wasserbottich zu den Froeschen. Es sieht lustig aus, wie sie zu zweit baden.
Auch der nachste Tag ist nur ein halber Wandertag. Wir muessen Zeit totschlagen, weil wir Pakete nach Warner Springs gesandt haben und die Post am Sonntag geschlossen hat. Also schlafen wir aus und wandern die 12km bis Warner Springs gemuetlich. Unterwegs machen wir Pause an einem schoenen Fluss im Schatten. Anschliessend wechselt die Landschaft in eine trockene Graslandschaft. Ich laufe an einer Schlange vorbei und renne zurueck, als die anderen mich auf sie aufmerksam machen. Sie sind so versteckt im Gras. Ich versuche sie zu filmen, aber es klappt nicht so richtig. Auf dem Weg nach Warner Springs kommen wir am Eagles Rock vorbei. Der Felsen hat seinen Namen, weil er wie ein Adler aussieht (surprise!). Gegen 14 Uhr kommen wir im Warner Springs Community Center an. Die Stadt besteht gefuehlt nur aus diesem, einer Schule und einer Feuerwehr. Das Community Center ist ein wahres Paradis. Es gibt kuehle Getraenke, Waschbecken zum Waesche waschen und eine Eimerdusche! Obwohl unserer letzte Dusche noch nicht so lange her ist, ist schon wieder alles dreckig und stinkig. Ich gehe mit meinem mit warmen Wasser gefuellten Eimer in eine der Kabinen und geniesse die erste Eimerdusche meines Lebens. Herrlich! Von weitem sehen wir dunkle Wolken aufkommen. Es ist aber so weit weg, dass wir weiter draussen sitzen bleiben. Als es 30 Sekunden spaeter anfaengt zu schuetten flitzen wir umher um unsere Daunenschlafsaecke und andere verteilte Habseligkeiten in das Community Center zu bringen. Was fuer ein Glueck, dass wir heute hier sowieso Zeit verbringen wollen. Wenn nicht, haette uns das Unwetter voll getroffen. Hans, der Leiter des Zentrums laesst uns im Gebaeude warten. Dort gibt es Puzzle und Spiele! Wir verbringen einen schoenen Nachmittag mit anderen Wanderern, die sich in das Zentrum fluechten. Als es spaeter wieder schoen ist, schneide ich H-Idea Haare und anschliessend bekommt DooDoo von ihm einen Haarschnitt. Erholt und sauber schlagen wir unser Camp wenige Meter vom Community Center auf.
Hans ist so lieb, dass er uns am naechsten Tag zur ca. 1,5km entfernten Post faehrt. Wir holen unsere Pakete und wandern anschliessend los. Apollo erzaehlt mir von ihrem Job auf einer Yacht. Klingt nach einem ganz interessanten und gut bezahlten Job. Die Zeit vergeht sehr schnell. Nach der Mittagspause kann ich mit den anderen nicht mehr so gut mithalten. Ich werde in der Hitze immer so langsam. Ich wandere also alleine vor mich hin und sehe wieder diese dunklen Wolken. Wir haben noch 500 hm Aufstieg vor uns. Die anderen sind weit vor mir. Ich hoere Donnergrollen und habe Angst. Ich mag Gewitter nur, wenn ich drinnen bin. Da die Wolken immer bedrohlicher aussiehen, entscheide ich, mir einen Platz zum Sturm aussitzen zu suchen und nicht weiter aufzusteigen. Mit meiner Regenhose und meinem Ueberzelt in der Hand sitze ich und warte. Und warte. Und warte. 40 Minuten sind vergangen und die Wolken kommen nicht mehr naeher. Die anderen sind bestimmt schon auf und davon. Ich gehe schliesslich weiter und treffe sie als sie von der naechsten Wasserquelle aufbrechen. Hier verbringe ich auch viel zu viel Zeit und gehe viel zu spaet los. Es wird langsam dunkel und ich weiss, dass ich die anderen nicht mehr einholen kann. Zum Glueck ist Jessy nicht so weit. Hinter einer Kurve wartet sie auf mich und zeigt auf den Busch neben dem Trail aus dem es klappert. Juhu! Endlich hoere ich das Klappern einer Klapperschlange. Dass ich sie nicht sehen kann, ist aber etwas beunruhigend. Das Rasseln ist jedenfalls leiser als ich dachte. Es koennte auch ein Insekt sein. Als wir uns so weit es geht an dem Rasselbusch vorbeiquetschen ist es dann doch etwas bedrueckend. Wir wissen ja nicht, wie weit die Schlange weg ist. Aber nichts passiert und wir gehen noch bis zum naechsten Zeltplatz und campen zu zweit. Die erste Nacht getrennt von der Gruppe. Ein komisches Gefuehl.
Am naechsten Morgen breche ich schon 5 Uhr auf um die anderen schnell einzuholen. Die anderen haben auch nicht zusammen geschlafen, weil die Zeltstellen alle zu klein waren. Es war also eine gute Entscheidung, schon eher zu zelten. Nach den ersten 13km trudeln wir alle bei Mikes Place ein. Ein Trail Angel, der grosse Wassertanks befuellt. Ansonsten ist der Ort eher gruselig und eine Muellhalde. Alleine wuerde ich mich hier unwohl fuehlen. Die naechste Wasserquelle ist 10km entfernt. Das werden meine haertesten Kilometer auf dem Trail. Es ist super heiss (37 Grad) und es gibt so viele Fliegen, die uns umschwirren. Wenn man laenger als 1 Sekunde stehen bleibt, beissen sie. Es geht bergauf und anschliessend bergab. Der Trail laesst sich schlecht laufen, weil er von vielen Steinen gesaeumt ist. Meine Knie tun weh, die Fliegen nerven und es ist so heiss. Ich komme langsam voran und brauche bald eine Pause. Wegen der Fliegen baue ich mein Zelt auf und lege mich in Unterwaesche rein. Mit einem nassen Lappen auf dem Kopf schlafe ich etwas. Danach schleppe ich mich zur Wasserquelle und fuelle meine Flaschen mit dem rostigen Wasser auf. Erst kurz nach 18:30 Uhr erreiche ich das Camp. Ich krieche fast dorthin, so schwach fuehle ich mich. Die anderen sind schon bettfertig und gehen 19 Uhr ins Zelt. Ich esse in Ruhe und baue mein Zelt in der Daemmerung auf. Was fuer ein Tag!
Nach einer erholsamen Nacht bin ich 5:10 Uhr abmarschbereit und laufe los. Bis zur naechsten Wasserquelle (einem Wassertank von einem Trail Angel) sind es 10km. Eine schoene Morgenstrecke. Die Sonne klettert langsam ueber den Berg und taucht alles in so schoenes Licht. Mit meiner Musik und der Morgenkuehle geht es wieder fix den Berg hinauf. Bis zur Wasserquelle holen mich die anderen nicht ein. Alle Gruppenmitglieder kommen bei der Wasserquelle von Marys Oasis zusammen. Auch hier wieder eine Oase: Sitzgelegenheiten im Schatten, sauberes Wasser und sogar eine kleine Bibliothek mit Postkarten und Gedichten. Ausserdem eine kleine Skulptur mit Zitaten von bekannten Naturliebhabern. Ein Zitat von Henry David Thoreau hat es mir besonders angetan: „I went to the woods because I wished to live deliberately, to front only the essential facts of life, and see if I could not learn what it had to teach, and not, when I came to die, discover that I had not lived.“ Fasst auch ganz gut einen der Gruende zusammen, warum ich hier bin. Die restlichen 13km bis zum Paradise Valley Cafe vergehen wie im Flug. Es ist merkwuerdig, der eine Tag ist eine einzige Quaelerei, der naechste macht richtig Spass. Gegen Mittag erreichen wir das Cafe und bestellen uns Leckereien! Wir treffen auf andere Wanderer, die wir alle kennen. Es ist so eine kleine Welt auf dem Trail. Die naechsten zwei Naechte wollen wir in Idyllwild verbringen, bevor wir uns in den ersten Schnee aufmachen. Wir bekommen recht schnell Mitfahrgelegenheiten und bauen unser Lager fuer die erste Nacht auf dem Campingplatz gleich neben der Dusche auf. Wieder ein herrliches Gefuehl! Die Stadt ist richtig suess und wir treffen viele bekannte Gesicher von Scout & Frodo. Was fuer eine Freude! Wir dachten nicht, dass wir manche Leute wiedersehen. Da wir aber direct vom PVC in die Stadt gekommen sind, sehen wir Leute, die zwei Tage vor uns wandern. Sie haben schon den ersten Bergteil hinter sich und steigen an dem Tag in die Stadt ab, an dem wir ankommen. Abends gibt es eine leckere Mahlzeit und noch ein Getraenk auf dem Zeltplatz (hier macht alles 21 Uhr zu).
Am naechsten Tag erledigen wir einige Dinge und danach goennen wir uns einen grossen Luxus: DooDoo hat ein Haus mit Whirlpool etwas ausserhalb der Stadt gebucht. Mit Kisten voller Verpflegung ueberlegen wir, wie wir die 5km bis dorthin kommen. Die ersten beiden Frauen, die wir auf dem Supermarktparkplatz ansprechen nehmen uns mit und fahren uns in unsere Villa! Genial! Wir stuermen ins Haus und geniessen Dusche, Bad, Veranda, Kueche und natuerlich den Whirlpool. Abends machen wir ein BBQ und am naechsten Morgen gibt es French Toast. Ich fuehle mich wie im Urlaub. Es wird bestimmt schwer, wieder auf den Trail zurueckzukehren.
Aber darum sind wir ja hier. In einer Stunde geht es wieder los. Diesmal werden wir ca. 5 Tage bis zu der naechsten Stadt brauchen. Und von dort noch einmal 2 bis 3 Tage zum naechsten Pausenort Big Bear Lake. Bisher hatten wir immer Glueck mit Duschen unterwegs. Das wird die laengste Strecke, die wir ohne zuruecklegen. Ausserdem liegen schwere Abschnitte mit Schnee, umgefallenen Baeumen, steilen Haengen und der Gipfel des Mount San Jancinto vor uns. Es sieht so aus, als ob meine Mikrospikes nun zum Einsatz kommen. Aufregend.
Ich melde mich wieder aus Big Bear Lake! Vielleicht schaffe ich dann auch mal, den Text etwas kuerzer zu fassen 🙂 Habt alle eine schoene Woche! Ich denke an euch und druecke euch aus der Ferne!





































































Wieder ein schön geschriebener Beitrag – macht Spaß zu Lesen!
Aber was ist denn das zum Essen auf dem einen Bild? Sieht aus wie ein Wrap mit einer langen Mozzarellarolle und Erdnussflips…
Viel Spaß in den San Jacinto Mountains!
Hey Discomotte! Toll was du alles erlebst mit all den coolen Menschen. Wir denken an dich!