PCT Woche 10 & 11 // 1000 Meilen & Hitzewelle (Shasta bis Chester)

  • Beitrag zuletzt geändert am:30. Juli 2023

Dieser Abschnitt wird bestimmt von einer Hitzewelle, dem Wiedersehen mit vielen Freunden, Geschichten aus den Sierras und dem Überschreiten der 1000 Meilen. Außerdem läuft uns Max davon und später verlässt uns auch Irish. Dafür kommt Rango zurück. Wir müssen uns entscheiden, wie es weitergeht: Richtung Norden oder zurück in die Sierras.

In Shasta nehmen wir uns am Morgen Zeit. Der Einkauf dauert recht lange. Ich bin etwas überfordert und kaufe am Ende für 125$ ein – mein teuerster und schwerster Resupply. Mein Rucksack ist extrem schwer und wahrscheinlich kann ich 2 Wochen damit wandern. Nächstes Mal schreibe ich wieder eine Liste. Wir brechen erst am Nachmittag auf und versuchen lange vergebens einen Hitch zu bekommen. Hier scheinen die Leute den PCT nicht zu kennen und halten uns den Blicken nach zu urteilen für Landstreicher. Glücklicherweise hält ein Trailangel und nimmt uns mit. Ihr Sohn ist Trailmanager für einen Abschnitt des PCT. Gespannt höre ich die Jobbeschreibung an und löchere sie mit Fragen. Klingt jedenfalls auch nach einem interessanten Job. Es ist extrem heiß. Für die nächsten Tage gibt es eine Hitzewarnung mit Werten bis 45°. Wir hoffen, dass es oben in den Bergen etwas kühler wird. Wir machen uns an den Aufstieg. Trotz der fortgeschrittenen Zeit ist es drückend heiß und meine Schultern schmerzen vom Essensgewichtt. Ich kämpfe mich den Berg hoch und sehe meine Tramily auf dem Weg sitzen (steiler Abhang). Ich wundere mich noch über den komischen Pausenplatz als ich am Ende Rango sehe. Wohooo! Wie schön, ihn zu sehen. Ich wusste, dass wir ihn demnächst sehen werden. In unserer App kann man Wanderern folgen und sehen, wo sie campen. Ich habe allerdings noch nicht heute mit ihm gerechnet. Er quetscht sich an den anderen vorbei und es wird gedrückt und alle Neuigkeiten ausgetauscht. Es ist schade, dass wir in unterschiedliche Richtungen gehen. Wir alle hoffen auf eine Reunion in Oregon sollten wir anstelle durch die Sierras zurück Richtung Norden gehen. Die Zeit drängt, wir müssen weiter. Als ich Rango aus Spaß vorschlage, wieder ein Stück bergauf zu gehen um mit uns zu campen, denkt er tatsächlich darüber nach, entscheidet sich dann aber dagegen. Schweren Herzens nehmen wir wieder mal Abschied. Als ich den Rucksack schultern will, sehe ich hunderte Ameisen. Ich habe ihn in ein Nest gestellt. Noch Tage später, krabbeln Ameisen aus Ritzen. Es stinkt fürchterlich als wir sie vom Rucksack entfernen. Nach nur 7 Kilometern schlagen wir unser Nachtlager auf. Wir haben es mit der Entspannung etwas übertrieben. Eduardo cowboycampt wieder und wartet auf uns Zeltaufbauer. Er setzt sich auf einen Baumstamm und fällt hinten runter. Wir lachen uns kaputt. Nach einem schnellem Abendessen mit Blick auf Mt. Shasta gehts in die Schlafsäcke. Morgen müssen wir etwas aufholen.

Pünktlich 4:30 geht es aus dem Schlafsack in die Wanderklamotten. 41 km stehen auf dem Programm. Unser Wanderstart verzögert sich allerdings, da Ameisen Clumsys Rucksack befallen haben. Ihr Zelt ist so winzig, dass der Rucksack draußen schläft. Also eine ganze Nacht Zeit um in alle Ritzen zu kriechen. Nun riecht sie also auch nach Ameisen. In der 30°-„Morgenkühle“ rennen wir die 1200 Höhenmeter hoch und erreichen eine Brücke, unter der es Trailmagic geben soll. Tatsächlich entdecken wir die mit Kaffee, Süßigkeiten und Medizin gefüllten Container. Ich finde außerdem *Trommelwirbel* eine Handbandage und fülle meinen Ibuprofen-Vorrat auf. Mein Handgelenk schmerzt noch immer. Ich nehme Schmerztabletten und reibe es mit einer schmerzstillenden Salbe ein. Da meine Finger anschwellen, halte ich die Hand hoch. Der fehlende Wanderstock macht sich in Form von Muskelkater in der linken Pohälfte bemerkbar. Die Wanderstöcke helfen doch erstaunlich beim Anstieg. Hoffentlich wird es mit Bandage und keiner Belastung bald besser und ich kann beide Stöcke nutzen. Und auch Allgemein meine linke Hand. Macht sich besser beim Zelt auf- und Abbauen, Flasche öffnen, Umziehen, … Jedenfalls trifft hier „The Trail provides“ total zu! Ich brauche eine Handbandage und die Trailmagic gibt mir eine. Nach weiteren heißen und am Ende mühsamen Kilometern komme ich wie immer als Letzte am Camp am Mc Cloud River an. Es tut gut sich den Dreck am kühlen Fluss abzuwaschen. Sauber und stolz auf die geschafften Kilometer schlafe ich ein.

Im Dunkeln starten wir am nächsten Tag den 1200hm Aufstieg. Wir erwarten erneut um die 40 Grad und wollen so schnell es geht oben sein. Anfangs geht es gut voran und dann sinkt die Energiekurve bei mir ganz schön schnell. Im Schatten ist es auszuhalten. Der Schweiß rinnt nur so vor sich hin und ich schütte literweise Wasser mit Elektrolyten in mich. Praktischerweise gibt es viele Wasserquellen. Lange Strecken wandere ich mit dem Kopfnetz, denn die Mücken umschwärmen mich. Wir treffen so viele bekannte Gesichter und plauschen – eine willkommene Pause beim Aufstieg. Leider erhalten wir von den Nobos keine gute Nachrichten, was den kommenden Trailabschnitt angeht: kein Schatten und kein Wasser für 20km – und das bei 40°. Wir füllen an der letzten Quelle 4 Liter auf und machen uns auf den Weg. Die Hitze macht mir zu schaffen. Zu allem Überfluss habe ich meine Tage bekommen und mir ist schwindelig. Ich torkele hinter den anderen her, aber wir bleiben zusammen. Bei einem umgefallenen Baum entscheide ich mich anstelle des Umwegs um den Baum, drunter durch zu kriechen und bleibe hängen. Ich habe so wenig Energie, dass ich mich nicht befreien kann und setze mich einfach hin und heule wie ein kleines Kind 5 Minuten lang. Clumsy schnallt meinen Rucksack ab und wir sitzen bis ich mich wieder beruhigt habe. Eigentlich wollten wir bis zur nächsten Wasserquelle, aber wir entscheiden, am nächsten Zeltplatz zu campen. Wir haben genug Wasser für die Nacht. Dort angekommen lege ich meine Matte auf den Boden und mich drauf. Dort bleibe ich eine Weile liegen, telefoniere mit Cyril und erhole mich etwas. Zur Aufheiterung spielen wir Karten und essen mit schönem Blick auf die Berge. Eduardo kommt auch dazu, er ist immer hinterher, weil er bis 11 Uhr schläft. Irish schultert plötzlich seinen Rucksack und geht weiter. Da ist doch was im Busch!? Ich schlafe ohne Regencover und beobachte die Sterne und die Rehe, die um mein Zelt laufen. Was für ein Tag!

Mit einem wunderschönen Sonnenaufgang und Schnee startet der nächste Tag. Ich fühle mich besser. Dank der vielen Informationen von entgegen kommenden Wanderern wissen wir, wie wir am besten das Schneefeld bewältigen. Es ist flach und kein Problem. Ich habe meine Mikrospikes und gehe sicher. Heute müssen wir uns lange Strecken durch Büsche kämpfen. Der Trail ist total überwuchert. Ich bleibe häufig stehen und beobachte Insekten, ermahne mich heute nicht, bloß nicht zu bummeln. Bummle also vor mich hin, singend und beobachtend und genieße den Trail. Komisch, dass Apollo plötzlich vor mir ist. Sie ist gestürzt und hat sich am Knie und am Knöchel verletzt. Trotzdem pushen wir noch 8 Meilen, damit wir am nächsten Tag weniger Strecke nach Burney haben. Ziemlich erschöpft kommen wir am Camp an und werden von Moskitos attackiert. Müde und schweigend mampfen wir unser Abendessen und ziehen uns in die Zelte zurück. Morgen gibt es wieder eine Dusche. Juhu!

Ein besonderer Tag beginnt, an dem sogar Eduaro mit uns aufsteht! Wir stürzen los – es geht in die Stadt. Der Weg ist einfach, ohne viel Auf und Ab. Dann plötzlicher Stopp! Wir überschreiten unsere 1000 Meilen! 1600 km sind wir zu Fuß unterwegs. Das muss gefeiert werden. Wir legen die Zahl 1000 aus und machen einen kleinen Freudentanz und die obligatorischen Fotos. Danach belohnen wir uns beim General Store der Burney Falls mit Softeis! Yummy! Wir genießen den kleinen State Park mit dem tollen Wasserfall und unterhalten uns mit vielen Wanderern. Ich treffe Ulrich aus Deutschland, der laut Sunflower verschollen ist. Er hat sich tatsächlich verlaufen, aber ist glücklicherweise nicht spurlos verschwunden. Außerdem treffen wir die ersten Wanderer, die die Sierras durchquert haben. Sie berichten ausführlich und es klingt wirklich nicht nach viel Spaß. Nur 20km am Tag und völlige Erschöpfung nach dem Wandern im Schnee. Aufstehen um 3 Uhr, durchqueren von Suncaps (Mulden, die die Sonne in den Schnee brennt), mühsamer Wegsuche… Sie waren allerdings noch zeitig genug, um die Flüsse auf Schneebrücken zu überqueren. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Nach einigen Stunden Aufenthalt (die Zeit vergeht immer zu schnell!) wollen wir endlich duschen. Wegen Apollos Verletzung trampen wir direkt vom State Park. Wir warten extrem lange. Die Touristen wollen uns nicht mitnehmen. Nach einer Weile hält ein Auto und nimmt 4 von uns mit. Ich bleibe mit Eduardo zurück und dann heißt es warten, warten, warten, nett lächeln. Ein Postauto hält schließlich an. Die Fahrerin hat uns schon 30 Minuten zuvor gesehen und bietet an, dass wir bei den Paketen mitfahren können. Jaaaaa! Dusche, ich komme!!!! In Burney haben wir eine coole Übernachtungsmöglichkeit. Die Kirche bietet Wanderern an, in der Sporthalle zu übernachten. Dort gibt es auch Leihklamotten und eine Küche. Ein Hikerhotspot. Wir treffen Yoda und erfahren, dass Ryan in der Sierra so schwer verletzt wurde, dass er ausgeflogen werden musste. Der erste Helikopter musste wegen der drohenden Dunkelheit umkehren und so warteten die Jungs 6 Stunden lang auf den Heli der Navi. Ryans Knie wurde beim Postholing (im Schnee einbrechen) von einem Baum aufgespießt. Glücklicherweise war er mit Yoda (Arzt) und Kurt unterwegs und sie konnten sich um alles kümmern. Ryan geht es inzwischen wieder ganz gut und er erholt sich. Wenn sein Knie heile ist, will er zurück zum Trail. Wir erledigen unsere üblichen Dinge: Launry und einkaufen. Mit unseren Leihklamotten sehen wir lustig aus. Zum Abendessen gibt es Pizza und Salat. Die Restaurants sind wegen Ecoli im Wasser alle geschlossen. Danach kriechen wir in unsere Schlafsäcke auf dem Sportfeld. Was für eine coole Übernachtung.

Um 4 Uhr fangen die ersten an rumzuwuseln. Das ist ganz gut, so schlafen wir nicht zu lange. 25 Meilen (40km) stehen heute an. Eduardo will natürlich nicht aufstehen und meint, er kommt nach. Irish ist schon unterwegs. Er scheint uns zu meiden. Die Mädels und ich machen uns also auf den Weg und bekommen einen Hitch von einem Schulbus! Beste Mitfahrgelegenheit bisher. Ich stelle mich auf einen heißen Tag ein und höre die ganze Zeit Musik. Pause machen wir an einem Fluss. Meine Füße dampfen als ich sie in das kühle Nass halte. Es tut gut und motiviert. Die Landschaft ist heute langweilig und der Weg voller loser Steine. Die Knöchel schmerzen etwas. Die Trailmagic mit eiskalten Getränken motiviert extrem. Wegen der Hitze habe ich keinen Hunger und gehe weiter als die Gruppe zum Abendessen anhält. Ich will die letzten Kilometer lieber noch hinter mich bringen und nicht zu lange im Dunkeln laufen. Es geht hinauf auf die Hat Creek Rim. Im Licht der untergehenden Sonne und der Blick von hier auf Mt. Shasta und Mt. Lassen gefallen mir. Ich laufe schneller, weil es dunkel wird. Bei einigen Kühen am Trail gehe ich langsam vorbei. Sie schauen mich interessiert an, aber lassen mich in Ruhe. Im Dunklen komme ich am Camp an und suche passende Plätze für uns. Hoffentlich kommen die anderen auch bald, es ist etwas gruselig. Keine 20 Minuten später höre ich Clumsy fluchen und dann sehe ich erleichtert die Stirnlampen. Wir schlüpfen gleich in die Zelte. Es ist schon kurz nach 9. Ohne Regencover schlafe ich unter den Stern ein.

Mit Wasser aus dem Tank verlassen wir gut gelaunt das Camp. Es geht bergab und wir komnen an einer Tankstelle und einem Lavatunnel vorbei. Bevor wir die Hat Creek Rim verlassen genießen wir noch ein Frühstück mit wunderschönem Ausblick. Irish kommt dazu und erklärt, dass er die Gruppe verlassen will. Er fühlt sich nicht mehr so wohl, weil Max weg ist und Eduardo nie bei uns (er hat Burney erst einen Tag später verlassen… Wahrscheinlich den ganzen Tag geschlafen). Wir sind jetzt zu viele Mädels für ihn. Außerdem spielt das einseitige Interesse von ihm an Clumsy wohl auch eine Rolle… Es ist schade, aber besser so. Er war die letzten Tage sehr gedrückt. Wir hatten trotzdem eine schöne Zeit zusammen. Ich hoffe, er findet coole neue Leute. Den Lavatunmel erkunden wir noch zusammen. Wir müssen unsere Stirnlampen anmachen, so dunkel ist es. Dann nimmt uns ein ehemaliger PCT-Hiker mit zur Tankstelle, wo es Cola und Eis gibt. Hier verlässt uns Irish. Ab jetzt sind wir zu dritt. In gedrückter Stimmung geht es weiter, aber beim Abendessen können wir wieder lachen und genießen die Mädelsrunde. Wieder ohne Regencover (ich bin auf den Geschmack gekommen) schlafe ich ein.

Die nächsten 2 Tage durchwandern wir den Lassen Nationalpark. Er wurde vom großflächigen Dixiefeuer vor 2 Jahren fast komplett zerstört. Wir wandern durch verbrannte Waldlandschaften und erkunden ein Geisir und den Boiling Lake. Am Twin Lake machen wir eine lange Pause und gehen schwimmen. Das Wasser ist herrlich! Rehe und Rehkitze kommen vorbei und scheinen wenig Angst zu haben. Wir bleiben ruhig sitzen und beobachten alles. Eduardo ist immernoch nicht bei uns und wir sind eine reine Mädelsgruppe. Es macht Spaß. Am letzten Tag vor Chester holt Eduardo endlich auf. Er hat auch eine Fahrt für uns organisiert. Wir haben unsere Entscheidung getroffen: Es geht zurück nach Ashland und von dort wandern wir nordwärts. So treffen wir all unsere Freunde wieder und können an den Trail days teiknehmeb. Eduardo überraachen wir mit der Entscheidung, dass wir in Medford 3 Nächte in einem Airbnb Pause machen. Das haben wir uns verdient. Unentwegt haben wir die letzten Tage über das Menü gesprochen. Es soll Lasagne, Tiramisu, BBQ, Fritatta, Mimosas, Rotwein, Brot und Butter geben. Außerdem Badesalz, Masken, Creme gegen die trockenen Häute. Einen Tag lang will ich im Bett liegen und nichts tun!

Vor lauter Aufregung (und weil die Post nur von 7 bis 8 Uhr aufhat) stehen wir kurz vor 6 an der Straße. Nur 3 Autos fahren vorbei und niemand hält an. Tote Hose hier! Nach einigen Minuten kommt ein Auto zurück. Juhu! Es ist nur ein 2-Sitzer. Die Mädels quetschen sich in den Kofferraum, der relativ groß ist. Die Zeit bis zur Abfahrt verbringen wir in einem Diner. Gegen 11 Uhr bringt uns ein Trailangel zurück nach Medford in unser Airbnb. Er ist den ganzen Tag unterwegs und fährt Wanderer von einem zum anderen Ort. Ich würde so nicht gerne meine Samstage verbringen. Er macht es aber gerne, sagt er. Er trifft viele interessante Leute und es gibt ihm ein gutes Gefühl, zu helfen. Die 3-stündige Fahrt zieht sich. Und dann sind wir endlich da!!! Wir verbringen 3 schöne Tage mit Einkaufen, baden, Essen, Schlafen und Fernsehen. Die Haut ist weich, die Blasen besser, der Magen gut gefüllt. Wir genießen die Zeit und sind bereot für Oregon!

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