Spannung liegt in der Luft als die ersten 5.30 Uhr aufstehen. Für die meisten ist heute Starttag. Nach dem gemeinsamen Frühstück und dem obligatorischen Gruppenfoto (2 Leute fotografieren mit je 10 Handys) geht es für den Großteil mit dem Shuttle los. Manon, Harry, Constant und ich fahren nach letzten Erledigungen etwas später mit einem Uber nach Campo zum Startpunkt.
Hier am Southern Terminal machen wir in verschiedenen Posen und Personenkombinationen Fotos. Wir treffen Bad Santa (bekannter Trail Angel) und einen verrückten Amerikaner, der uns belehrt, dass man keinen Müll hinterlässt und dann selbst bei der Abfahrt seine Amiflagge verliert, die wir selbstverständlich als Leave-no-trace-bewusste Hiker zum nächsten Müll mitnehmen.
Dann geht es los. Endlich! Nach vielen Jahren Tagträumerei, einigen Monaten Vorbereitung und Startschwierigkeiten. Ein schönes Gefühl! Nach 0,6 Meilen machen wir Mittagspause am Cleef Campground im Schatten und verewigen uns an der Wand. Dann geht es richtig los – for real!
Schon kurz nach dem 1-Meilen-Schild sehen wir eine Klapperschlange. Ganz langsam schiebt sie sich über den Weg. Leider hat sie nicht gerasselt. Wir wandern bis zu einer Wasserstelle bei Meile 6,6 und füllen die Wasservorräte auf. Ich bin schon ganz schön kaputt und spüre erste Blasen. Das kann ja was werden. Kurze 1,1 Meilen später ist es schon 18 Uhr und wir finden einen wunderschönen Campingplatz mit Aussicht auf unseren Startpunkt. Essen gibt es im Dunkeln. Die Jungs haben in der Hikerbox eine 1kg Packung Nudeln gefunden und bereiten diese zu. Mit Brie-Käse und Tomatensauce aus der Dose. Ich glaube, Ultra-light geht anders. Harry hat außerdem eine Tüte mit vielen Gewürzen gefunden, die er fröhlich in seiner Pasta verteilt. Er trägt außerdem eine Ukulele und Poi-Bälle in seinem 19kg Rucksack. Die erste Nacht schlafe ich herrlich. Sie endet 5 Uhr morgens als Constant sein Zelt abbaut. Halb 6 ist er mit dem Sonnenaufgang abmarschbereit. Wir verabschieden uns, denn wir werden uns sicher nicht wiedersehen. Die Jungs sind einfach viel schneller.
Für Manon und mich stehen heute knapp 21 km auf dem Plan. Wir wollen bis Mount Laguna kommen und dort duschen und einen Burger essen. Wir laufen getrennt, treffen uns aber immer wieder. Die Landschaft ist schön und ich bleibe immer wieder stehen, um die Aussicht zu genießen. Die kleinen Eidechsen flitzen nur so davon, wenn sie mich spüren. Außer eine Kurzhorn-Krötenechse, die mich nur ankuckt und keine Angst zu haben scheint. Auf dem Weg abwärts zur Hauser Creek kreisen Adler ganz nah. Ich kann sie fast berühren. Außerdem sehe ich noch eine Klapperschlange, die mich aber nicht weiter beachtet und weiter chillt. Ich würde wirklich gern mal eine klappern sehen! Am Hauser Creek treffe ich noch ein paar bekannte Gesichter. Da noch 10km vor mir liegen, kann ich schwer entspannen. Deswegen mache ich mich in der Mittagshitze an den 400hm Aufstieg. Kurze Zeit später stellt sich das als großer Fehler heraus und ich verstecke mich in jedem kleinen Schättchen und ruhe etwas um einige Meter weiter zu kommen. Puh, das war hart. Mein Trailname kann Tomate sein… Ungläubig sehe ich Shane und einen mir unbekannten Hiker vorbeisprinten. Deren Rucksäcke sind so winzig. Ich nehme mehr auf Tagestouren mit als die beiden auf der wochenlangen Tour… Als ich den See hinter einer Kurve endlich sehe, bin ich so erleichtert, dass ich trotz der Blasen losflitze. Schnell das Zelt aufgebaut und dann auf zur Dusche. Aber nein! Ich habe schon am 2. Tag einem Schuh verloren. Meine blasenübersäten Füße müssen leider in den Wanderschuhen bleiben. Die Dusche genieße ich trotzdem. Zurück am Zeltplatz ist neben anderen bekannten Gesichtern auch Manon eingetroffen. Sie hat mir eine Überraschung mitgebracht: Meinen Schuh!!! Große Freude! Das ist wohl dieses „The trail provides“ von dem ich immer lese. Abends essen wir im berühmten Malt Shop einen Burger und trinken Coca Cola. Die Jungs wandern an diesem Tag 36km – fast das Doppelte. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das geht.
Am nächsten Morgen starte ich 6.15 Uhr. Es ist angenehm kühl und der Weg recht einfach. Drei Mädels (Tiny Tim, Bootsy und Jessy) überholen mich und helfen mir dann bei der ersten Flussdurchquerung. Ich halte meine Füße ins Wasser und mache kurz Pause. Dann gehts weiter zum Boulder Oaks Campground, wo wir Crash kennenlernen (auf der Fahrt nach Kalifornien hatte er einen Unfall). Einige Zeit später kommt Mr Sunflower. Kaum zu glauben, auch er ist einen Tag später als wir losgelaufen. Er muss gleich weiter, denn er will Jungs einholen. Männer… Bei der zweiten Flussdurchquerung lass ich die Schuhe an. Fühlt sich eigentlich ganz angenehm an. Ein langer Aufstieg in der Mittagssonne und die Blasen lassen mich stark am Vorhaben zweifeln. Aber auch der längste Anstieg ist irgendwann vorbei und ich komme an einem Fluss an, wo ich Manon schon von Weitem baden sehe. Wir bauen ein Zelt als Sonnenschutz auf und machen 2 Stunden Pause. Tiny Tim, Bootsy und Jessy sind auch hier – eine schöne Mädelsrunde. Nach der größten Hitze machen wir uns gegen 17 Uhr auf und wandern wenige Kilometer bis zu unserem Zeltplatz namens Fred Canyon. Neben den bekannten Mädels sind noch zwei andere hier (Pipes – spielt Dudelsack und Gill). In gemütlicher Runde kochen und quatschen wir bevor es in den Schlafsack geht und uns der Frosch in den Schlaf quakt.
Am 4. Tag haben wir uns leichte 15km vorgenommen, die wir zur Hälfte schon bis 9 Uhr zurück gelegt haben. Es geht einfach viel einfacher, wenn es nicht so heiß ist. Wir treffen viele neue Leute. Wer Einsamkeit sucht, ist hier fehl am Platz. Social overflow sage ich nur! Es gibt wieder grandiose Aussichten und Blumen zu sehen. Ein Stück geht es auch durch einen Pinienwald, der so gut duftet, dass ich Pause mache und tief einatme. Gegen 13.30 Uhr kommen wir am Zeltplatz an und laufen Jessy über den Weg (man sieht sie schon von Weitem mit ihren pinken Haaren). Wir schlagen unsere Zelte auf ihrem Platz auf und genießen eine schöne Dusche. Danach kaufen wir im General Store ein und wollen unsere Power Banks im Cafe aufladen. Leider hat es schon 16 Uhr geschlossen. Bummer! Nach und nach trudeln mehr Hiker auf unserem Zeltplatz ein. Am Ende sind wir 10 Leute. Ich krieche schon 20 Uhr ins Zelt. Morgen wollen wir 21km wandern und schon 5.30 Uhr aufbrechen. Jeden Tag etwas früher. Wir haben nun Meile 41,5 (ca. 66km erreicht). Meine Füße sind eine einzige Blase. Jessy verarztet mich und ich werde ab jetzt 2 paar Socken tragen – hilft etwas. Die Jungs sind nun schon bei Meile 73 – einfach verrückt. Ich bin gespannt, wie die nächsten Tage werden. 80% der Zeit frage ich mich, was ich hier eigentlich mache. Aber dann kommt eine schöne Aussicht, ein netter Mensch, eine besondere Blume oder das Camp und die Zweifel sind vergessen. Ich hoffe, mit der Zeit ist es weniger anstrengend und vor allem, dass meine Füße sich bald erholen.
Danke für liebe Nachrichten aus der Heimat! Es motiviert mich sehr, von euch zu lesen! Ich habe nur selten Empfang aber freue mich über jede Nachricht und antworte auch bald!
PS: Bloggen am Handy geht schlecht. Ich lade es jetzt so hoch, wie es ist. Sind leider nicht alle Fotos dabei. Sorry auch für die Rechtschreibfehler 🙂













































Wow, cool was für Flora und Fauna du siehst. Ich hätte Pokemonmäßig die Hornechse als mein Begleiter auserkoren. Und du kannst ja deinen Füßen vielleicht auch Mal einen Tag Auszeit geben, oder zerstört das deinen Zeitplan?